East-India-Company
Geschichte:Bereits im 17. Jahrhundert konnte eine Handelsreise in den Indischen Ozean sagenhafte Gewinne bringen. Doch auch die Gefahren waren immens: Die monatelange Fahrt mit ihren Gefahren, vor allem durch Strandung, Stürme, Krankheiten und Piraten. Es lag nahe, dass sich Kaufleute zusammenschlossen, um die Risiken zu minimieren. Das war der Grundgedanke bei der Gründung der East India Company. Als Aktiengesellschaft gegründet konnten sich nun auch Personen beteiligen, die keine Händler waren. Lange wurde darum gekämpft, ein Monopol zu erhalten. Eine zweite, ähnliche Gesellschaft wurde gegründet.
Diese beiden Konkurrenten schlossen sich zusammen und wurden damit die bedeutendste Kapitalgesellschaft Englands. Auch sie war eine Aktiengesellschaft. Die Aktionäre waren durch einen Aufsichtsrat vertreten. Dieser wählte ein 24-köpfiges Direktorium, das die Geschäfte führte.
Nach vielen Jahren, in denen vor allem Indien ausgesaugt wurde, versuchte man ein moderneres System einzuführen. Es basierte auf Großgrundbesitzer, die der Company steuerpflichtig waren. Diese verpachteten das Land wiederum an die Bauern. Durch diese Kette, die von der Arbeit der Bauern lebte und bei der die Grundbesitzer keine Beziehung zu ihrem Land und den dort lebenden Leute hatten, wurde die Bevölkerung noch mehr belastet. Die Steuerpflicht war unerbittlich, notfalls wurde die Folter angewendet. Die Company unterhielt eine eigene Armee und wandelte sich immer mehr von einer Handelsgesellschaft zu einer Kolonialmacht.
Bild: Kopf der Privilegien-Urkunde für die East-India-CompanyDie Company zur Zeit von Richard Sharpe, Jack Aubrey und Harry Flashman
In der Zeit, in der die Romanhelden Richard Sharpe, Jack Aubrey und etwa 40 Jahre später Harry Flashman in Indien waren, dehnten die Engländer ihren Herrschaftsbereich vor allem in Indien immer mehr aus und brachten immer mehr Gebiete unter ihre Kontrolle. In der Mitte des 19. Jahrhunderts erstreckte sich die Herrschaft der Company über weite Teile Indiens, Burmas, Singapur und Hong Kong. Etwa 20 % der Weltbevölkerung standen unter ihrer Kontrolle!
Die Company hatte das Recht, selbständig Territorien zu erwerben, Geld zu prägen, Festungen und Truppen zu befehligen, Bündnisse einzugehen, Krieg zu erklären, Frieden zu schließen und sowohl Zivil- als auch Strafgerichtsbarkeit in den erworbenen Gebieten auszuüben. Die Company hatte einen wachsenden Bedarf an militärischem Schutz. Deshalb war die Freiheit, ihre militärischen Angelegenheiten selbst zu regeln, ein willkommenes Geschenk, und die Kompanie stellte schon im 17. Jahrhundert ihre eigenen Streitkräfte auf, die sie hauptsächlich aus der einheimischen Bevölkerung rekrutierte (in Indien die Sepoys).
Sultan Haider Ali und Tipu Sultan, die Herrscher von Mysore, machten den Briten das Leben schwer. Die beiden hatten sich mit den Franzosen verbündet. Mysore wurde schließlich 1799 von den Briten eingenommen. Dabei wurde Tipu erschlagen. Mit dem allmählichen Machtverlust des Marathen-Imperiums in der Folge des Krieges mit den Briten sicherten sich diese Bombay und dessen Umgebung.
Ein besonders bemerkenswertes Zusammentreffen von Streitkräften unter dem Kommando von Wellesley war die Schlacht von Assaye. Damit sicherten sich die Briten das gesamte südliche Indien (mit Ausnahme der französischen Enklaven und einiger einheimischer Herrscher), Westindien sowie Ostindien. Die letzten Überreste der lokalen Verwaltung waren auf die nördlichen Regionen um Delhi, Avadh, Rajputana und Punjab begrenzt.
Doch die Macht der East India Company nahm in der Mitte des 19. Jahrhunderts ab. Die Entwicklung der industriellen Revolution (Stichwort: Baumwoll-Massenproduktion) brachte ihr Konflikte mit der britischen Industrie und mit den neuen liberalen Ideen. Sie verlor schließlich ihr Monopol und die englische Regierung übernahm die Kontrolle.

